Kunst und Kritik im zeitgenössischen Kontext

           
 

 

 

R. Reimann


Über Ursprünge, Wege und Abwege der Postmoderne

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor; [...]
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.

J. W. v. Goethe

Mir fällt nichts ein; ich hätte Architekt werden sollen.

H. W. Graf

I

Die Geburt des Adjektivs postmodern liegt um das Jahr 1870. Es wurde geprägt vom englischen Genremaler John Watkins Chapman, der in eine post-moderne Malerei vorzustoßen trachtete. Verbunden war dieses Ansinnen mit einer progressiven Kritik am französischen Impressionismus.[1]

Das Adjektiv postmodern tritt dann 1917 in folgendem Kontext in Erscheinung: "der sportlich gestählte nationalistisch erzogene religiös erregte postmoderne mensch ist ein überkrustetes weichtier ein juste-milieu von décadent und barbar davon geschwommen aus dem gebärerischen strudel der groszen décadence der radikalen revolution des europäischen nihilismus. vielleicht besteht die gefahr dass der allerschütternde untergang sämtlicher alten werte beizeiten rückgängig gemacht wird und eine zwischen den trümmern leidlich einrichtende menschheit die krisis des menschen heiter vergisst."[2]

So charakterisierte Rudolf Pannwitz seine Zeitgenossen. Pannwitz darf eine gründliche Lektüre des Werkes von Friedrich Nietzsche bescheinigt und einige Verwunderung darüber zugestanden werden, daß Nietzsche, der von sich selbst gesagt hatte, er sei kein Mensch, vielmehr Dynamit, wenn überhaupt, dann hauptsächlich spießig und verschroben rezipiert wurde.[3] Übernommen hat Pannwitz beispielsweise den auf den ersten Blick disparaten Décadence-Begriff Nietzsches, der sich einerseits mit dem von Nietzsche begrüßten Verfall der höchsten Werte wie Religion, insbesondere Christentum, Moral und Staat verbindet und auf die Formel Nihilismus gebracht wird, sich andererseits an Richard Wagner fixiert, den Nietzsche mit eindeutig negativer Konnotation als einen décadent bezeichnet.[4] Nietzsche wirft Wagner in diesem Kontext Verrat an der Kunst und am Genie vor, der vor allem darin bestehe, daß Wagner sich dem Publikum angebiedert und so das Dionysische, Rauschhafte, Befreiende preisgegeben habe an niederen Publikumsgeschmack. Als die widerlichste Spezies Publikum sah Nietzsche die Wagnerianer an, vor denen er bei der Uraufführung des Rings in Bayreuth die Flucht ergriffen hatte.

Pannwitz teilt Nietzsches Bewunderung für Napoléons Vision eines geeinten und freien Europa, schwelgt seitenweise in Zitaten aus dem Mémorial de Sainte-Hélène[5] und läßt schon in der Vorrede zu jenem Werk, in dem der "postmoderne mensch" als "überkrustetes weichtier" charakterisiert wird, keinen Zweifel an seinem geistigen Ahnen; Pannwitz verfolgt "ins besondere den zweck bei den wichtigsten dingen des lebens an die stelle philosophischer phrasen historische realitäten zu setzen und die ungeheure krisis des menschen selbst die seit nietzsche wieder geflissentlich vergessen ist den sehr wenigen welchen die kultur am herzen liegt ins eigene fleisch zu ringen."[6]

Diese Rückbesinnung Pannwitzens auf die Historie mit dem Verweis auf Nietzsche erfolgt später und ernstzunehmender bei Michel Foucault[7], der auf Nietzsche sich zu berufen nicht müde wurde, obwohl seine Auffassung von Geschichte Sätzen wie denen diametral entgegensteht: "Im Grunde ist jedermann zufrieden, wenn ein Tag vorüber ist. Ihn so ernst zu nehmen, dass er am andern Tag bereits historische Untersuchungen anstellt, ist lächerlich. Denn damit ist die Hauptlehre, die jeder Tag giebt, verwirkt, 'das Leben ist abzuleiden' 'es ist eine Busse'. [...] Für den Menschen, der das Dasein ableidet, ist Geschichte nichts: er findet überall dasselbe Problem, das jeder Tag ihm zeigt. [...]

Nun aber die Geschichte als Wissenschaft! Da handelt es sich also um Gesetze, die Personen kommen wenig in Betracht, Muth und Begeisterung sind hier nicht mehr zu gewinnen, sie stören vielmehr."[8] – Das klingt nur dem nach Dilthey und Historismus, der die Komplexität von Nietzsches Willen zur Macht einseitig mißdeutet bzw. mißdeuten will.[9] Nietzsches Wille zur Macht hat nichts gemein mit Platons Staat oder Machiavellis Il principe, deutet in seiner Tendenz vielmehr auf das Streben des Individuums nach Macht über sich selbst auf der Grundlage individueller Ignoranz der Macht des Staates und seiner Institutionen wie Rechtssprechung, Kirche, Moral etc.. Die Beschimpfungen der Massen als Pöbel, Heerdenthiere usw., des Wählers als Stimmvieh haben kein anderes Ziel, als Individuen zu jener Ignoranz von autoritärer Macht zu provozieren. Der Übermensch schließlich ist jener, der in seinem Denken und Handeln frei ist von den Einflüssen autoritärer Macht in ihren vielfältigsten Erscheinungsformen. Diese Befreiung aus dem Korsett von gesellschaftlichen Regeln und Werten billigte Nietzsche jedem Individuum zu; der Untertitel des Zarathustra, Ein Buch für Alle und Keinen, trägt dementsprechender Hoffnung Rechnung. Nietzsche wußte aber aus eigenem Erleben, wie schwierig und nahezu unmöglich es ist, mit den als falsch erkannten tradierten höchsten gesellschaftlichen Werten radikal zu brechen. Gedämpfter klingt sein Optimismus fünf Jahre später im Vorwort zu Der Antichrist: "Dies Buch gehört den Wenigsten. Vielleicht lebt selbst noch keiner von ihnen. Es mögen die sein, welche meinen Zarathustra verstehn: wie dürfte ich mich mit denen verwechseln, für welche heute schon Ohren wachsen? – Erst das Übermorgen gehört mir. Einige werden posthum geboren."[10]

Dem Prinzip einer neuen Wertsetzung, das individuelle Freiheit als Grundlage der Freiheit aller vorauszusetzen hätte, war Nietzsche auf der Spur; und hier knüpft ein Gutteil postmoderner Philosophie an.

Problematisch erscheint, ob und wofür die Termini Postmodernismus/Postmoderne überhaupt gerechtfertigt sind. Wolfgang Welsch ist zuzustimmen, wenn er festhält, daß "die Epochen-Suggestion in Sachen Postmoderne (die These also, daß mit "Postmoderne" eine eigene, neue Epoche gemeint sei, die die Moderne einfach hinter sich gelassen habe und nun alles anders machen werde) nur das trivialste Mißverständnis von Postmoderne"[11] gewesen sei.

Postmoderne kann nur als Fortsetzung einer dynamischen Moderne gefaßt werden, einer Moderne freilich, die die großen Katastrophen unseres Jahrhunderts nicht hat abwenden können. Es scheint daher zu weit gegriffen, die Postmoderne als "exoterische Einlösungsform der einst esoterischen Moderne des 20. Jahrhunderts"[12] anzusehen, denn die großen Menschheitsprobleme, die in diesem Jahrhundert offenbarer geworden sind als je zuvor, sind mitnichten gelöst. Über die Tragfähigkeit dessen, was die Postmoderne zu bewirken imstande ist, kann nicht aus  gegenwärtiger Perspektive als aus einer Art "état positif" geurteilt werden. Als Fakt für postmoderne Reflexion kann jedoch gesetzt werden, daß die Lernfähigkeit der Menschheit aus der Geschichte, vor allem aus den Fehlern und Verbrechen der Vergangenheit, negiert wird. Postmoderne sucht die Ursachen dieser nicht vorhandenen Lernfähigkeit, permanenter individueller und kollektiver Fehlentwicklungen zu entschlüsseln, ist darum in ihrer Substanz zunächst Kritik und als solche negativ. Dies schließt neben der Kritik der Vergangenheit die Kritik gegenwärtiger Entwicklungen ein; Welt und Menschheit sind bei weitem nicht geheilt, und individuelle wie gesellschaftliche Strukturen des Seins sind nicht weit von denen ertfernt, die Auschwitz und Hiroshima ermöglichten. Auschwitz und Hiroshima sind geworden, nicht über Nacht als Naturkatastrophen losgebrochen. Die Postmoderne geht davon aus, daß der Schoß der Zerstörung fruchtbar ist.

 

II

Von Postmoderne ist nach Pannwitz erst wieder in den 30er Jahren die Rede, und zwar in bezug auf die spanische und hispanoamerikanische Literatur, wo postmodernismo von modernismo abgegrenzt wird. In der Einleitung seiner gewichtigen Antología de la Poesía Española e Hispanoamericana trifft Federico de Oníz 1934 folgende Unterscheidung: "Estas son las que se han desarrollado después, durante el siglo XX, es una multiplicidad de tendencias contradictorias que hemos tratado de agrupar en las dos últimas secciones, según signifiquen un intento de reaccionar contra el modernismo, refrenando sus excesos (postmodernismo), o de superarlo, llevando más lejos aún su afán de innovación y de liberalidad (ultramodernismo)."[13]

Was hier als ultramodernismo definiert wird, entspricht in etwa dem sich später in der angloamerikanischen Diskussion herauskristallisierenden Terminus postmodernism,[14] der von de Oniz durch den darauffolgenden ultramodernismo in den Bereich der Periodisierung geschickt, gleichsam abgehakt wird. Postmodernismo beschränkt sich für ihn, wenn auch nur in der spanischen und hispanoamerikanischen Dichtung, auf das Dezennium zwischen 1905 und 1914; der ultramodernismo, der sich daran anschließt, währt von 1914 bis 1932.[15]

Das Periodisierungsmodell von de Oniz lohnt eine genauere Betrachtung, da es all jenen das Sein in der Gegenwart euphemistisch verklärenden System- und Begriffsfetischismen eines voraus hat: De Oníz begreift hier Sein und Denken, als Fließendes, als Vor-läufiges, das zu sich selbst nie kommen kann, durch Bewegung bewahrt und zugleich überwunden wird. So hat er, als einer der ersten Theoretiker des Postmodernismus, den Postmodernismus und die Postmoderne erledigt, bevor Postmodernismus und Postmoderne modern wurden.

Dieser Verfahrenseise liegt eine Denkstruktur zugrunde, in der Zeit als dialektische Dimension begriffen wird, und die Jean-François Lyotard 1978 mit der Dialektik von savoir narratif und savoir scientifique beschreibt. Im savoir scientifique sieht Lyotard das von der abendländischen Wissenschaft akkumulierte Wissen, das eines wissenschaftlichen consensus bedarf, um als Wissen denotative Legitimation zu erhalten, wohingegen das savoir narratif als Akkumulation und zugleich Verwandlung von Wissen verstanden wird, in dessen Prozeß der narrataire zum narrateur des ihm ursprünglich Erzählten wird. Diesem folgt ein anderer narrataire, der wiederum zum narrateur wird etc..[16] Das wissenschaftliche Wissen sei insofern ein unfreies, als es von Staat und Staatsmacht von jeher in Beschlag genommen worden ist. Wissenschaftliches Wissen diene dazu, den vom Staat und Staatsmacht zugelassenen Metadiskurs und damit das Gewaltmonopol des Staates zu legitimieren. Andere Sprachspiele, die jenseits dieses Metadiskurses liegen, werden nicht zugelassen, da sie die vom Staat verkörperte Macht in Frage stellen. Exekutivgewalten reagieren auf jenseits des von ihm legitimierten Metadiskurses und damit jenseits des allgemeinen Konsens sich bewegende Sprachspiele mit Gerichten, Gefängnissen, Irrenhäusern, Hinrichtungen und Genozid. Auch Auschwitz beruhte auf einem solchen Konsens zwischen den Deutschen. Die Psychologin Alice Miller führt diesen Konsens darauf zurück, daß der Mehrzahl der Deutschen eine ähnlich grausame Erziehung zuteil geworden sei wie Adolf Hitler. Sie stellt die – durchaus nachvollziehbare – These auf, daß Gewalt sich aus Gewalt reproduziere und beschreibt den Antisemitismus als kollektive Projektion.[17] Als falsche Projektion wird der Antisemitismus von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in Dialektik der Aufklärung beschrieben.[18]                               

Platons Staat, wo dem Philosophen die staatsdienende Rolle zugewiesen wird, steht am Anfang in bezug auf die Legitimation des Staats und der Macht durch wissenschaftliches Wissen,[19] wozu es zu Platons Zeiten, vor allem durch Diogenes von Sinope und die Kyniker, noch lautstarke Antipoden in der abendländischen Philosophie gibt, dann aber lange Zeit nicht mehr. Narratives, von Staat und Macht unberührtes Wissen ist im Okzident daneben freilich immer präsent; im Alltag, in Architektur und Literatur, nicht aber in der Philosophie. Es taucht, sofern Candide infolge seiner Kontroverse zu der Leibnizschen Theodizee als ein philosophischer Text gelesen werden kann, zunächst in Frankreich wieder auf, stärker dann in Deutschland, mit Schopenhauer,[20] ferner durch den Baseler Historiker Jacob Burckhardt. Philosophisch relevant ist es im Abendland jedoch erst wieder seit Nietzsche.[21]

Michael Köhler siedelt das eigentliche weil folgenreiche Debut des Begriffes Post-Modern im Jahre 1947 an. In diesem Jahr erschien die einbändige Kurzfassung von Toynbees A Study of History. Köhler schreibt mit Bezug auf diese Edition: "'Post-Modern' bezeichnete dort die letzte, gegenwärtig noch andauernde Phase der abendländischen Kultur. Sie folgt als 'Western IV' auf die Etappen 'W I: Dark Ages', 'W II: Middle Ages', 'W III: Modern' und beginnt 1875. Als entscheidendes Faktum des Epochenwandels gab Toynbee den vollzogenen Übergang vom engen nationalstaatlichen Denken in der Politik zu einer Perspektive globaler Interaktion an."[22]

Über die Rezeption Toynbees erreicht der Terminus Ende der 50er Jahre die literarästhetische Diskussion in den USA und gelangt dort zu erster Popularität. 1959 und 1960 konstatieren Irving Howe und Harry Levin, daß die zeitgenössische Literatur über geringere Innovationskraft verfüge als die Literatur der Moderne und grenzen die zeitgenössische als "post-moderne" Literatur von der Literatur der Moderne ab.[23] Dem Adjektiv postmodern, das hier wie bei Pannwitz einen Verfall beschreibt, wird wenig später eine entgegengesetzte Bedeutung zugewiesen. Durch Kritiker wie Leslie A. Fiedler und Susan Sontag wird die postmoderne Literatur Mitte der 60er Jahre positiv bewertet. Susan Sontag bemerkt eine "new sensibility" in der Literatur der 60er Jahre und wendet sich gegen esoterische Kunst, wie sie die Moderne hervorgebracht habe; Unterschiede zwischen "high culture" und "low culture" seien durch die populäre Form dieser neuen Literatur hinfällig geworden. Jegliche rationale Interpretation von Kunst lehnt Susan Sontag ebenso ab wie die mimetische Funktion der Literatur.[24] Fiedler feiert die postmoderne Literatur als eine Literatur, die die Kluft zwischen der elitären und zur Konvention erstarrten Avantgardekunst der Moderne und der Massenkultur erfolgreich überbrücke.[25] Howe und Levin hatten bedauert, daß das Zeitalter von Yeats, Eliot, Joyce und Pound vorüber sei; Fiedler begrüßt, daß das Zeitalter von Proust, Thomas Mann und Joyce zu Ende und mit ihm der moderne Roman mit seiner Rationalität und Analyse tot sei. Fiedler beruft sich auf Nietzsche, dessen kritische Autorität in der Geburt der Tragödie "is based not on his skills in research or his collation of texts but on his ability to find words and rhythms and images appropriate to his ecstatic vision of, say, the plays of Euripides or the opening verses of 'Genesis' "[26] Die zeitgenössische amerikanische Literatur wird als vorurteilsfrei zu Pop forms drängende beschrieben, und als Vorbild wird L'Écume des Jours von Boris Vian genannt: "The forms of the novel which they (i. e. the young Americans, R. R.) prefer are those which seem now what the hard-boiled detective story once seemed to Vian: at the furthest possible remove from art and avant-garde, the greatest distance from inwardness, analysis, and pretension; and, therefore, immune to lyricism, on the one hand, or righteous social commentary, on the other. It is not compromise by the market-place they fear; on the contrary, they choose the genre most associated with exploitation by the mass media: notably, the Western, Science Fiction and Pornographie.

Most congenial of all is the 'Western'"[27].

Diese Kaugummiästhetik, die den frühen Nietzsche und Boris Vian direkt mit einem Genre in Verbindung bringt, das zu einem Gutteil die Endlösung der Indianerfrage zu verdrängen half oder gar als Pioniertat stilisierte, was Fiedler, indem er die "guten" Western herbeizitiert, wenig schlüssig zurückweist, hat mit dem, was die französische Philosophie später als postmoderne Befindlichkeit (so ist meine Übersetzung von La condition postmoderne, und auch das ist nur eine Übersetzung) beschreibt, nur insofern etwas gemein, als auf Innovatives gesetzt und die Dominanz der Ratio hinterfragt wird, mit der jedoch Proust, Thomas Mann, T. S. Eliot, Joyce, Joseph Roth, Kafka etc. etc. schon gebrochen hatten. Hinter dieser Aufwertung eines bis dahin ausschließlich amerikanischen Genres der Literatur verbirgt sich der Kompensationsversuch komplexbeladenen Unterbewußtseins einer Nation, der im Gegensatz zum Abendland eine kulturelle Vergangenheit fehlt und die durch einen soeben gewonnenen Krieg gegen das Böse nicht unerheblich an Selbstbewußtsein gewonnen hat. – Alle Wege führen nach Auschwitz.

Festzuhalten bleibt allerdings in jedem Falle, daß seit Howe, Lewin, Fiedler, Sontag et altri sowohl die Adjektive postmodernistisch/postmodern als auch die Substantive Postmodernismus/Postmodern einer Vielzahl von Insidern bekannt sind und von da an nicht mehr vergessen werden.

Zum Slogan wird die Postmoderne durch die Architektur und durch die eng mit der Architektur in Verbindung stehende Designkunst, infiltriert von da aus nahezu sämtliche Kunstgattungen, nahezu jegliche Formen der Kunstexegese sowie Ästhetik, Philosophie, Theologie, Soziologie und nicht zuletzt Sprache und Alltag. Es gibt nur einen Bereich, der sich der Postmoderne verweigert: die Musik. Bis heute existieren weder eine postmoderne Oper, noch ein postmodernes Orchesterwerk, noch als solche beschriebene Opern oder Orchesterwerke. Wenn auch als postmodern zu bezeichnende Operninszenierungen Legion sind, kann eines mit Fug und Recht behauptet werden: Die Existenz der Postmoderne vollzieht sich ohne jegliche Beteiligung der Musik, wohingegen die Geburt der Moderne zu einem Gutteil aus dem Geiste der Musik erfolgte. Die naheliegendste Erklärung: "Böse Menschen haben keine Lieder", trifft den Kern des Problems jedoch nicht. Der Blick ist eher auf Schopenhauer zu richten, der die Architektur als "die beschränkteste und schwächste aller Künste" ansah, die mit der "ausgedehntesten", der Musik, gleichzusetzen ihm als lächerlich erschien.[28] "Die Musik ist nämlich eine so unmittelbare Objektivation und Abbild des ganzen Willens, wie die Welt selbst es ist, ja wie die Ideen es sind, deren vervielfältigte Erscheinung die Welt der einzelnen Dinge ausmacht. Die Musik ist also keineswegs, gleich den anderen Künsten, das Abbild der Ideen, sondern Abbild des Willens selbst, dessen Objektivität auch die Ideen sind: deshalb eben ist die Wirkung der Musik so sehr viel mächtiger und eindringlicher, als die der anderen Künste: denn diese reden nur von Schatten, sie aber vom Wesen"[29], heißt es an anderer Stelle mit eindeutigem Bezug auf das Höhlengleichnis aus Platons Staat. Schopenhauer beschreibt die Musik als begriffsresistent insofern, als sie über Begriffen steht.[30] – Fakt ist, daß sie sich dem Terminus "Postmoderne" bislang erfolgreich entzieht.

Insofern, als der Begriff Postmoderne mit Ausnahme der Musik auf alles zu passen scheint, was als Fortsetzung der Moderne angesehen werden kann, ist er nicht minder überbesetzt wie der Begriff Moderne. Darin widerspiegelt sich erneut das Dilemma von Benennungen, in dem das Abendland spätestens seit Platons Definition des Menschen steckt und das Umberto Eco zur Wahl des Buchtitels Il nome della rosa bewog: "L'idea del Nome della rosa mi venne quasi per caso e mi piacque perché la rosa è una figura simbolica così densa di significati da non averne quasi più nessuno: rosa mistica, e rosa ha vissuto quel che vivono le rose, la guerra delle due rose, una rosa è una rosa è una rosa è una rosa, i rosacroce, grazie delle magnifiche rose, rosa fresca aulentissima. Il lettore ne risultava giustamente depistato, non poteve scegliere una interpretazione; e anche se avesse colto le possibili letture nominaliste del verso finale ci arrivava appunto alla fine, quando già aveva fatto chiassà quali altre scelte. Un titolo deve confondere le idee, non irreggimentarle."[31]

In diesem Kontext ist Welsch zuzustimmen, der der Hoffnung Ausdruck gibt, daß der Terminus "Postmoderne", der als Signalruf ein lethargisches und allzu selbstsicheres Moderne-Bewußtsein aus dem Tiefschlaf gerüttelt habe, eines vielleicht nicht fernen Tages zugunsten der Diskussion des Gehalts der von der Postmoderne aufgeworfenen Motive und Fragestellungen obsolet werden könnte.[32] Postmoderne, soweit sie ernstgenommen werden will, kommt nicht umhin "einzelne charakteristische oder sogar archetypische Momente der Moderne aufzugreifen und [...] neu zu lesen"[33].

 

III

Die architektonischen Prämissen der Postmoderne müssen deshalb etwas genauer umrissen werden, weil die Architektur der Postmoderne dem Alltag nähersteht als esoterische Bereiche wie Malerei, Literatur, Philosophie Ästhetik etc., wenngleich Postmoderne nach ihrem Bekanntwerden durch die Architektur in all diese Bereiche problemlos, elegant und umfassend sich usurpieren ließ, häufig mit der Begründung, Postmoderne habe es überall schon gegeben. Beckett, dessen Endspiel laut Adorno nur die Bedeutung habe, daß es nichts bedeute,[34] war unstrittig ein postmoderner Autor; er wußte das nur nicht. Max Ernst ist zweifellos ein postmoderner Maler, gleichwohl er sich anfangs für einen Dadaisten und später für einen Surrealisten hielt. "Malauguramente 'post-moderno' è un termine bouno à tout faire. Ho l'impressione che oggi lo si applici a tutto ciò che piace a chi lo usa. D'altra parte sembra ci sia un tentativo di farlo slittare all'indietro: prima sembrava adattarsi ad alcuni scrittori o artisti operanti negli ultimi vent'anni, poi via via è arrivato sino a inizio secolo, poi più indietro, e la marcia continua, tra poco la categoria del post-moderno arriverà a Omero",[35] bemerkt Umberto Eco.

Die Wiege der postmodernen Architektur stand in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Ästhetik der postmodernen Architektur ist an die der postmodernen amerikanischen Literatur angelehnt. Welsch bemerkt über Charles Jencks, den führenden Theoretiker der postmodernen Architektur: "Jencks hat sein Postmoderne-Verständnis offenbar von Fiedler her konturiert. Wenn Fiedler von der Verbindung von Elite- und Massenkultur sprach und dazu künstlerische Doppel-, ja Mehrfachsprache empfahl, so kehrt sowohl jenes soziologische wie dieses semantische Problem bei Jencks wieder, wenn er postmoderne Architektur als eine Sprache definiert, die sowohl die Elite als auch den Mann auf der Straße anzusprechen vermag und zu diesem Zweck doppel- oder gar mehrfachkodiert sein muß."[36]

Postmoderne Architektur begreift sich als Überwindung des Historismus und des spätmodernen Funktionalismus, indem sie verschiedene architektonische Stilrichtungen kombiniert. Damit werden Komplexe gegenüber ionischen und korinthischen Säulen, romanischen und gotischen Kathedralen, gegenüber der Renaissancebauweise, dem Rokkoko, selbst der Neogotik, der deutschen Gründerzeit und dem Bauhaus kompensiert.

Postmoderne Architektur ist Architektur, die von Zitaten lebt, darin sind sich alle architekturtheoretischen Kommentatoren einig. Darüber, ob die postmoderne Architektur die moderne Architektur ablöst oder fortsetzt, herrscht hingegen dieselbe Uneinigkeit wie in anderen Bereichen des Seins und des Denkens, in die das Spannungsverhältnis zwischen Moderne und Postmoderne reicht.

Da Architekturtheorie exakter ist als Literaturtheorie, liegen ihr Zahlen und Daten.[37] Deshalb wurde von denjenigen, die die postmoderne Architektur als Ablösung der modernen Architektur ansehen, das von Charles Jencks 1978 festgelegte Sterbedatum der modernen Architektur widerspruchslos akzeptiert: der 15. Juli 1972, exakt um 3. 32 Uhr.[38] An diesem Tage wurde, bevor sie von ihren Bewohnern restlos zerlegt werden konnte, die berüchtigte Siedlung Pruitt-Igoe in St. Louis/Missouri, gesprengt, die 1951 als bahnbrechendes architektonisches Meisterwerk modernen sozialen Wohnungsbaus mit dem Preis des American Institute of Architects ausgezeichnet worden war. In dieser Siedlung, wo ausnahmslos der sozialen Unterschicht angehörende Mieter behaust waren, lag die Verbrechensrate erheblich höher als in von der Sozialstruktur her gesehen ähnlichen Siedlungen, weil kontrollierte halböffentliche Zonen fehlten, was zu Kriminalität erleichternder Anonymität führte.[39] Das Sterbedatum der Moderne in der Architektur gilt zugleich als das Geburtsdatum der architektonischen Postmoderne: "Was vor 1972 war, war die Moderne. Was danach kommt, ist der Postmodernismus."[40] Die postmoderne Architektur wartet auch just zu Beginn der siebziger Jahre mit ihren ersten spektakulären Bauten auf.[41]

Damit hat die Postmoderne in der Architektur etwas, was der Postmoderne in anderen Bereichen fehlt: ein Ereignis bzw. eine Trägerfigur, an dem sich ein Umbruch fixieren läßt. Jauß konstatiert das Fehlen eines solchen Ereignisses, einer solchen Trägerfigur für die Postmoderne in Literatur, Kunst und Ästhetik.[42] Es fehlt auch in der Philosophie, wenngleich die Mehrzahl der ernstzunehmenden Kommentatoren der Postmoderne in Philosophie, Ästhetik und Literaturwissenschaft sowohl auf Nietzsche, als auch expressis verbis oder indirekt auf ein Buch zurückkommt: Adornos und Horkheimers Dialektik der Aufklärung. Auch Jauß greift auf dieses Buch zurück, indem er bezüglich der Dialektik der Aufklärung feststellt: "Daß die bürgerliche Aufklärung mit der Scheidung von Natur und Zivilisation das Bewußtsein einer fundamentalen Entfremdung des gesellschaftlichen Lebens gezeitigt und die Bahn eines Fortschritts der instrumentellen Vernunft eröffnet hat, der immer auch schon Regression einschloß, da die Beherrschung der außermenschlichen Natur im Menschen mit der Verleugnung der Natur im Menschen bezahlt werden mußte: diese berühmten Thesen machen es unabdingbar, die Epochenschwelle zum Selbstverständnis unserer Moderne nicht erst in der Mitte des 19., sondern schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu suchen."[43] – Jauß verteufelt hier das siècle de lumières, läßt aber zugleich dessen Fetischcharakter für die Moderne unangetastet, zementiert ihn sogar noch. In der Dialektik der Aufklärung wird jedoch mit dem Fetisch 18. Jahrhundert dezidiert gebrochen. Auch Lyotard, der den Begriff postmodern in die philosophische Diskussion warf, steht in der Tradition jener "berühmten Thesen", die Jauß begeisterten.[44]

Im weitestgehend von Adorno geschriebenen[45] Exkurs I der Dialektik der Aufklärung, Odysseus oder Mythos und Aufklärung ist die Rede von Odysseus als dem "Urbild eben des bürgerlichen Individuums"[46] und ironisch vom "aufgeklärten Charakter Homers"[47].

Odysseus liefert für Adorno das Urbild des Bürgers, der die außermenschliche Natur um den Preis der Verleugnung des Menschseins beherrscht, die in den Sirenen inkarnierte Symbiose von eros und thanatos durch Fesseln bändigt.[48] Auch die Selbstverleugnung des Odysseus vor dem Kyklopen entspricht jener späteren des Bürgers, die das Ziel verfolgt, den vermeintlich Dümmeren beim Tausch übers Ohr zu hauen.[49]

Philosophische Systeme wie die von Kant und Hegel werden von Adorno mit einem Rekurs auf Nietzsche, sogar in Nietzsches Diktion, in Negative Dialektik als inhuman beschrieben: "Das System ist der Geist gewordene Bauch, Wut die Signatur eines jeglichen Idealismus; sie entstellt noch Kants Humanität, widerlegt den Nimbus des Höheren und Edleren, mit dem sie sich zu bekleiden verstand. Die Ansicht vom Menschen in der Mitte ist der Menschenverachtung verschwistert: nichts unangefochten lassen. Die erhabene Unerbittlichkeit des Sittengesetzes war vom Schlag solcher rationalisierten Wut aufs Nichtidentische, und auch der liberalistische Hegel war nicht besser, als er mit der Superiorität des schlechten Gewissens die abkanzelte, welche dem spekulativen Begriff, der Hypostasis des Geistes sich weigern. Nietzsches Befreiendes, wahrhaft eine Kehre des abendländischen Denkens, die Spätere bloß usurpierten, war, daß er derlei Mysterien aussprach. Geist, der die Rationalisierung - seinen Bann - abwirft, hört kraft seiner Selbstbesinnung auf, das radikal Böse zu sein, das im Anderen ihn aufreizt."[50]

Weiter heißt es: "Wäre die Gesellschaft, als geschlossenes und darum den Subjekten unversöhntes System, durchschaut, so würde sie den Subjekten, solange sie irgend noch welche sind, allzu peinlich. Das angebliche Existential Angst ist die Klaustophobie der System gewordenen Gesellschaft."[51]

Auf dieses Unbehagen im System reagiert die Postmoderne in der Architektur einerseits systemverschärfend, andererseits systemzerstörend.

Es ist vor allem der Spanier Ricardo Bofill, dessen postmoderne Bauweise infolge der ihr innewohnenden totalitaristischen Tendenzen nicht anders denn als systemverschärfend betrachtet werden kann.[52] Dabei ist der Umstand, daß Bofill im sozialen Wohnungsbau aktiv ist, insofern irrelevant, als die von ihm gebauten Sozialwohnungen vom Allerfeinsten nicht sind: "Die mindere Qualität der Wohnungen läßt den Vorwurf der Maskerade berechtigt erscheinen"[53], schreibt ein Kommentator.

Paradoxerweise ist die systemzerstörende, spielerische, frivole postmoderne Architektur eine Architektur für Konzerne und Betuchte. Heraus ragt hier fraglos Philip Johnson, der die Baustile von Gotik, Renaissance, Klassizismus und Art Déco miteinander verknüpft, am spektakulärsten sicher im 1982 fertiggestellten Bürohochhaus der American Telephone and Telegraph Company (A. T. & T.) in New York. Der 1906 geborene Johnson verkörpert zugleich exemplarisch den Werdegang der amerikanischen Architektur von den 30er Jahren bis zur Gegenwart. Studiert hatte er bei Gropius und Marcel Breuer, veranlaßte in den 30er Jahren die ersten Reisen von Mies van der Rohe und Le Corbusier in die USA, propagierte dort unermüdlich die avantgardistische europäische Architektur, kombinierte bereits in den 40er Jahren Mies van der Rohe mit Ledoux und Schinkel und gilt heute als das Genie der postmodernen Architektur, das zahlreiche Epigonen nach sich zieht, von denen es jedoch nicht erreicht wird.

Zu betonen ist, daß die Architektur der neuen Welt sich des literarästhetischen Diskurses bediente, um sich quasi über Nacht zur Postmoderne hin zu befreien. Dies ist insofern ein Kuriosum, als vordem in der alten Welt in einem langen Prozeß die Literatur, von Shakespeare angefangen, über die Querelle des Anciens et des Modernes, Voltaire, Goethes Werther, Madame de Staël, Schiller, Senancour, Stendhal, Hugo bis hin zu Baudelaire Wagner und Nietzsche von der Architektur zur Moderne sich befreit hatte.

In der Lyrik war Baudelaire das Ereignis, mit dem sich die Dominanz der Architektur zugunsten der Musik aus der Lyrik verabschiedete. Seit Baudelaire hat Lyrik zu klingen, womit die auf die Architektur bezogene Relevanz der Form durch den Wohlklang einen dialektischen Gegensatz erhält; Rhythmus tritt gleichberechtigt an die Seite der Symmetrie. Damit ist bereits gesagt, daß die Form dadurch mitnichten obsolet wird; Verlegenheitslyrik und Knickprosa sind keine Dichtung.

Geschuldet war diese Revolution in der Dichtung nicht allein Baudelaires Verehrung für Richard Wagner, was der Brief Baudelaires an Wagner vom 17. Februar 1860 belegt, in dem Baudelaire die Musik des Tannhäuser, folgendermaßen beschreibt: "Ce que j'ai éprouvé est indescriptible, et si vous daignez ne pas rire, j'essayera de vous le traduire. D'abord il m'a semblé que je connaissais cette musique, et plus tard en y réfléchissant, j'ai compris d'où venait ce mirage; il me semblait que cette musique était la mienne, et je la reconnaissais comme tout homme reconnaît les choses qu'il est destiné à aimer."[54]

Die lange vorbereitete Moderne lag, freilich nur für die europäische Elite, sozusagen in der Luft. Baudelaire hatte sich in Wagners Musik wiedererkannt, ebenso, wie der Leipziger Student Friedrich Nietzsche wenig später in Wagners Musik sich wiedererkennen sollte.

 

IV

Kennzeichnend für postmoderne Befindlichkeit ist die Skepsis gegenüber den verwalteten Wissenschaften, dem von der Moderne scheinbar unangetastet gebliebenen savoir scientifique. Peter Sloterdijk erwägt darüberhinaus: "Es gibt Gründe zu der Annahme, daß für eine starke Majorität von Zeitgenossen die substantielle Moderene noch gar nicht da war".[55] Inzwischen aber ist die Moderne vorüber, was jetzt ist, ist die Postmoderne.[56] Sloterdijk schreibt weiter: "Man sieht überdies zur Zeit viele suspekte Figuren herumspuken, die aus dem Busch oder dem Biedermeier direkt in die Postmoderne übertreten wollen, ohne zwischendurch ein bißchen Modernität kennengelernt zu haben."[57] Bedauerlicherweise kommen jedoch die Zeitgenossen, für die Moderne nie stattgefunden hat, von überall her, nicht nur aus Oberbayern, dem Busch oder dem Biedermeier; die wären noch zu verkraften.

Gert Hellerich formuliert eingangs seiner philosophisch intendierten, letztlich aber sozialwissenschaftlichen Untersuchung zur Postmoderne folgenden Anspruch: "Es soll gezeigt werden, wie das Theorem Postmoderne unser aller Leben betrifft, ob als Friseur, Bauer, Lehrer, Politiker, ob in der Funktion eines Erziehers oder der Beziehung zwischen Mann und Frau."[58] Bacon und Descartes sind für Hellerich zentrale Figuren der Moderne, die in eine Krise geraten sei, "die sich als Vertrauenskrise gegenüber Wissenschaft und Technik, Wirtschaft und Politik kundtut. Die ständig wachsende Naturbeherrschung und -zerstörung, das Wachstum der Wirtschaft um jeden Preis, die Politik der fragwürdigen Repräsentation der Bürger, der Verlust von kultureller Kontextualität und viele mehr sind Krisenerscheinungen der Moderne"[59]. Letzteres stand zwar schon in der Dialektik der Aufklärung und auch beim späten Adorno, noch dazu besser, es ist jedoch legitim und sogar notwendig, dergleichen durch abgewandelte Wiederholung in Erinnerung zu halten. Auf die Dialektik der Aufklärung kommt auch Hellerich zurück,[60] die Frankfurter Schule stellt für ihn einen Ursprung postmodernen philosophischen Denkens dar, desgleichen Lewis Mumford und Foucault.[61] Nietzsche bezeichnet er als den Vater der Postmoderne.[62] Für Hellerich beruht die Moderne, mit Rekurs auf Foucault, in der Allianz von Macht und Wissen,[63] und er weiß die 68er Bewegung als Katalysator postmodernen Denkens zu würdigen.[64]

Adorno hatte Nietzsche als "eine Kehre abendländischen Denkens" gewürdigt, selbst nie von Postmoderne geredet; mittlerweile gilt Nietzsche als der Vater der Postmoderne und die Vertreter der Frankfurter Schule gelten, unter dem Signum der Postmoderne, als Nietzsches geistige Söhne.[65]

Macht und Machtstrukturen zu hinterfragen, das Kernproblem der Postmoderne, ist indes nicht von Nietzsche erfunden, jedoch erstmals von ihm seit der Antike vehement in das abendländische Bewußtsein zurückgeholt worden. Nietzsche hatte in Schulpforta, später bei Ritschl in Leipzig, eine gediegene Ausbildung in klassischer Philologie erhalten, über die er hinauswuchs, weil er die akademischen Strukturen als Machtmechanismen empfand und soviel Zynismus nicht aufbrachte, diese Strukturen als Grundlage satten Behagens sich andienen zu lassen. Er hatte, darin bestanden seine Tragik und seine Größe zugleich, infolge des Studiums antiker Schriften Abgründe geschaut, die dem Bildungsbürgertum bis heute, wenn nicht entgehen, so doch als nebensächlich erscheinen, weil Universitäten, Erfindungen des Mittelalters, denen das Mittelalterliche bis heute anhaftet, dem Staate ergebene Diener zu züchten haben, die der Staat ja schließlich auch bezahlt. Lyotard konstatiert: "L'État et/ou l'entreprise abandonne le récit de légitimation idéaliste ou humaniste pour justifier le nouvel enjeu: dans le discours des bailleurs de fonds d'aujourd'hui, le seul enjeu crédible, c'est la puissance. On n'achète pas des savants, des techniciens et des appareils pour savoir la vérité, mais pour accroître la puissance."[66] Da Lyotard zwischen Staat und Wirtschaft nicht differenziert, soll dies hier geschehen. Zunächst steht außer Frage, daß die Wirtschaft den Staat dominiert. Staat und Politik haben die Funktion, die Macht der Wirtschaftsgiganten nach innen und nach außen zu legitimieren, und dies auch in jenen Bereichen, in die der Arm der Wirtschaft nicht direkt reicht, und es ist ein Unterschied, ob das Individuum direkt von der Wirtschaft gekauft wird oder vermittelt, durch den Staat und dessen nachgeordnete Institutionen, zu denen Universitäten gehören, zumindest in Mitteleuropa. Deshalb werden Universitäten von Praktikern als ineffizient belächelt und gescholten, können aber bei den dort in Ausbildung stehenden oder gar bestallten Individuen eine Art Illusion erzeugen, die sich mit einem diffusen Begriff von wissenschaftlicher Freiheit verbindet. Kreatives und potentiell narratives Wissen, das dem Wirtschaftsgigantismus, so es unvermittelter mit demselben konfroniert wäre, gefährlich werden könnte, wird auf diese Weise ruhiggestellt. Eine Blüte idealistischer Verklärung der Möglichkeiten des Individuums an Bildungseinrichtungen dieser Art ist Schillers Jenaer Antrittsvorlesung Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? Es war wiederum Nietzsche, der in seinen 1872 gehaltenem Vortragszyklus Ueber die Zukunft unserer Bildungsanstalten darauf hinwies, daß das Abhängigkeitsverhältnis der Bildung vom Staat verhängnisvoll ist.

Jedem Romanisten ist vom Grundstudium her die Episode bekannt, da Paul Valéry an der Sorbonne unbemerkt einer professoralen Interpretation seiner Gedichte beiwohnte und sich selbst dabei nicht wiederzuerkennen vermochte; jeder Germanist kennt den Konflikt, der zwischen George und Gundolf aufbrach: Hier wie da manifestierte sich der Dissens zwischen savoir narratif und savoir scientifique. Valéry belustigte das, George brach deswegen mit Gundolf. Die neuere, unglücklicherweise als postmodern bezeichnete Philosophie diesseits und jenseits des Rheins reflektiert die Wirkungen von Schule und Universität auf das Individuum unter der Fragestellung: Wie ist dergleichen zu überstehen, ohne nennenswert Schaden zu nehmen? Diesem Problem hatten sich u. a. schon Nietzsche und Lyotard gestellt.

Ein neueres Beispiel: "Ailleurs, dans l'université, aucun enseignant n'avait ce souci païen (i. e. lucrétien, R. R.) de soi: il s'agissait d'analyser l'évolution d'une notion entre deux dates, de faire travailler la mémoire, mais surtout pas l'intelligence. Parfois, exercices initiatiques, il fallait mettre en perspective une idée avec le passé pour déterminer des sources, trouver des racines, ou le futur, pour extrapoler des influences, faire de la prospective.

Rapidement, je m'aperçus qu'avec la fin de la philosophie antique disparissait une façon typée de pratiquer la discipline et qu'avec les Pères de l'Église, jusqu'à nos scolastiques contemporaines, il ne s'agissait que de verbiages, discours techniques parfois brillants, souvent nébouleux, toujours inutiles. L'université est acquise à ces exercices qu'elle vénère et s'est fait, depuis, une spécialité dans l'enseignement de l'ennui. Domaine dans lequel elle excelle, d'ailleurs."[67]

Indem Michel Onfray hier die jahrhundertelange Zerstörung und den nahezu vollständigen Verlust eines Denkens diagnostiziert, das gängigen, von Platon initiierten Denkmodellen zuwiderläuft, steht er in der Tradition jener, die seit Nietzsche versuchen, dem entfremdeten Sein der Individuen in der abendländischen Welt etwas in Erinnerung zurückzurufen, was permanent verschleiert worden ist, zuletzt durch Begriffe wie Aufklärung und Moderne, letzthin durch den Begriff Postmoderne. Aufklärung hat, als Weltanschauung des Bürgertums, letztlich das hemmungslose Streben nach Saturiertheit des Individuums befördert, das bis dahin dem Adel vorbehalten war; durch Moderne wurden die Kunst und mit ihr die unausgelebten Abartigkeiten des Bürgertums für das Bürgertum salonfähig, post mortem artifecis zunächst, wovon nicht nur van Goghs Ohr und zahlreiche Quecksilbervergiftungen hinlänglich Zeugnis ablegen, und seit der Tauschwert des Opiums Kunst vom Bürger erkannt wurde, kann es Künstlern und Schriftstellern im einzigen Leben richtig gut gehen; daß Künstler und Literaten dennoch anders leben und denken als ihre Konsumenten, häufig in das Valérysche Lachen verfallen, steht außer Frage. In diesem Lachen ist etwas von jener kynischen Distanz bewahrt, die der Hund Diogenes sowohl dem Staatsphilosophen Platon als auch dem großen König Alexander gegenüber an den Tag legte.

Begriffe wie Moderne, Postmoderne, sind Vehikel, die das geworden Inkommensurable bändigen sollen, das durch Begriffe inkommensurabel erst geworden ist. Es ist vollständig irrelevant, ob Nietzsche, Adorno, ein Bauer, ein Friseur modern oder postmodern sind. Auf Inhalte kommt es an, nicht auf Begriffe. Solange Begriffen in stillschweigender Übereinkunft das Primat vor dem Denken eingeräumt wird, sind alle Auswege versperrt.

Die deutschsprachige Philosophie seit Nietzsche und die neuere Philosophie Frankreichs sind bestrebt, ausgehend von den sattsam bekannten Folgen, die Ursachen verfehlten Denkens in Begriffen und Systemen zu entschlüsseln. Eine Zeitlang diente das Reizwort "Postmoderne" dazu, die Aufmerksamkeit breiterer Schichten auf die Inhalte der neueren Philosophie zu lenken. Es ist durchaus legitim, sich eines solchen Reizwortes zu bedienen, um dann vom Eigentlichen zu reden. Vor allem Lyotard kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Daran, daß der Fetisch "Postmoderne" zusehends aus substantielleren Diskursen verschwindet, ist eine Tendenz zu stärkerer Rückbesinnung auf Inhalte zu erkennen. Michel Onfray beispielsweise kommt ohne diesen Begriff aus, obschon er in jener philosophischen Tradition steht, die in der jüngsten Vergangenheit mit dem Etikett Postmoderne versehen worden ist. Dennoch sind seine Bücher Bestseller. Onfrays permanente Rekurse auf Nietzsche und Diogenes werden dabei offenbar nicht nur in Kauf, sondern dankbar angenommen.

Die Diskussion um tragfähige Gesellschaftsmodelle ist eine Zeitlang vom Terminus Postmoderne begleitet worden, substantiell allerdings nur dort, wo dieser auf die kritische Substanz der Moderne, der Prämoderne und der Antike rekurrierte. Ob dies Unterfangen von Schaden oder von Nutzen war, kann von hier und heute aus nicht bestimmt werden; gesagt werden kann nur, daß es war.

"In vieler Hinsicht ist ja die Mischung von 'modern' und 'prämodern' selbst ein Symptom dessen, was man Postmoderne nennt"[68], schreibt Gérard Raulet bereits 1987. Dies deckt sich mit folgender, noch früher, 1983, von Umberto Eco getroffenen Feststellung: "Credo tuttavia che il post-moderno non sia una tendenza circoscrivibile cronologicamente, ma una categoria spirituale, o meglio un Kunstwollen, un modo di operare. Potremmo dire che ogni epoca ha il proprio post-moderno [...]. Credo che in ogni epoca si arrivi a dei momenti di crisi quali quelli descritti da Nietzsche nella Seconda Innatuale, sul danno degli studi storici. Il passato ci condiziona, ci sta adesso, ci ricatta."[69]

 



[1]Vgl. D. Higgins, A Dialectic of Centuries, New York 1978, S. 7. Verweis bei W. Welsch (Hg.), Wege aus der Moderne, Berlin 21994, S. 7.

[2]R. Pannwitz, Die Krisis der europaeischen Kultur, Werke Bd. 2, Nuernberg 1917.

Die kurios anmutende Schreibweise ist der Affinität von Pannwitz zu Stefan George geschuldet und geht insofern über die des Meisters George noch hinaus, als Pannwitz auch die Anfangsbuchstaben von Namen kleinschreibt und noch spärlicher interpunktiert als George.

[3]Daran hat sich bis heute wenig geändert. Ich versteige mich zu der Behauptung, daß Gesellschaften, deren Mitglieder begreifen würden, was Nietzsches Philosophie ins allgemeine Gedächtnis zurückzurufen versucht hat, durch die Freiheit des einzelnen als der Grundlage zur Freiheit aller per se strukturiert wären.

[4]Nietzsches Argumentation gewinnt jedoch dadurch an Stringenz, daß er implizit zwischen décadence und décadent unterscheidet. Er bezeichnet Wagner niemals als Vertreter der décadence, stets als décadent.

[5]"Die paar guten Bücher, die von diesem Jahrhundert übrig bleiben werden, richtiger: die mit ihren Ästen über dies Jahrhundert hinweg reichen, als Bäume, welche nicht in ihm ihre Wurzeln haben – ich meine das Mémorial von St. Helena und Goethes Gespräche mit Eckermann", schrieb Nietzsche. F. Nietzsche, Kritische Studienausgabe, München, Berlin/New York 21988 (fortan KSA), Bd. 11, S. 231.

[6]R. Pannwitz, Die Krisis der europaeischen Kultur (Vorrede), (Anm. 2), S. nicht nummeriert.

[7]Auf Foucault und den Zusammenhang des Poststrukturalismus mit der Postmoderene-Diskussion kann hier nicht eingegangen werden. Vgl. dazu: U. Fazis, "Theorie" und "Ideologie" der Postmoderne, Basel 1994, S. 39-85.

[8]KSA 7, S. 641 f. (Nietzsches Hervorhebungen).

[9]Geschuldet waren dergleichen Mißdeutungen lange Zeit, und auch das nur zum Teil, den Fälschungen des Nachlasses, die Elisabeth Förster-Nietzsche und Peter Gast vorgenommen haben. Seit dem Vorliegen der Colli-Montinari-Ausgabe (KSA) 1977, insbesondere der zweiten, durchgesehenen Auflage der KSA, 1988, können E. Förster-Nietzsche und P. Gast nicht mehr als Entschuldigung für Mißverständnisse gelten. Vor allem kommt es aber darauf an, wer in welchem Kontext auf auf Teile aus Nietzsches Werk sich berufen zu dürfen glaubt; angefangen von harmlosen Unterfangen wie Geburtstagsreden und philosophischen Konstrukten, bis hin zu Verfänglicherem wie Ideologien und politischen Programmen.

[10]KSA 6, S. 167 (Nietzsches Hervorhebung).

[11]W. Welsch, Unsere postmoderne Moderne, Berlin 41993, S. XVI.

[12]Ebenda, S. 6.

[13]F. de Oníz, Antología de la Poesía Española e Hispanoamericana, Introducción, Madrid 1934, S. XVIII.

[14]Zu Ursprung und Diskussion des Postmodernismus in der Literatur der USA vgl. E. Manske, Weltbild und Erzählstruktur in "postmodernistischen" Romanen der USA seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, Leipzig 1983, ferner M. Pütz/P. Freese (Hgg.), Postmodernism in American Literature, A Critical Anthologie, Darmstadt 1984 sowie W. Welsch, "Postmoderne", Genealogie und Bedeutung eines umstrittenen Begriffs, in: P. Kemper (Hg.), 'Postmoderne' oder Der Kampf um die Zukunft, Frankfurt/Main 1988, S. 9-36.

[15]Vgl. F. de Oníz, Antología (Anm. 13).

[16]Vgl. J.-F. Lyotard, La Condition postmoderne, Paris 1979, insbes. S. 35-62. Die deutsche Übersetzung des Titels "Das postmoderne Wissen" erscheint mir unglücklich, da Wissen auf die Ratio zielt, deren Dominanz von der Postmoderne kritisiert wird.

[17]Vgl. A. Miller, Am Anfang war Erziehung, Frankfurt/Main 1983, insbes. S. 82-112 sowie S. 161-231.

[18]Vgl. M. Horkheimer/Th. W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, in: M. Horkheimer, Gesammelte Schriften 5, Frankfurt/Main 1987, S. 217.

[19]"C'est depuis Platon que la question de la légitimation de la science se trouve indissociablement connexe de celle de la légitimation du législateur." J.-F. Lyotard, La condition postmoderne (Anm. 16), S. 20.

[20]Durch Schillers ästhetische Schriften und durch die Jenaer Romantik gewinnt hier das narrative Wissen vorher im ästhetischen Bereich an Boden.

[21]Hier ist nicht der Ort, die überfällige Genealogie des narrativen Wissens von den Griechen bis zur Gegenwart niederzulegen. Lohnenswert wäre dies Unterfangen jedoch allemal.

[22]M. Köhler, "Postmodernismus", in M. Pütz/P. Freese (Hgg.), Postmodernism in American Literature (Anm 14), S. 3.

[23]Vgl. I. Howe, "Mass-Society and Postmodern Fiction", in: Partisan Review XXVI, 1959, S. 420-436 und H. Levin, "What was Modernism?", in: Massachusetts Review, I, 4, 1960, S. 609-630.

[24]Vgl. S. Sontag, Against Interpretation, New York 1966. Vgl. auch E. Manske (wie Anm. 14), S.8 f..

[25]Vgl. L. A. Fiedler, Cross the Border – Close that Gap: Post-Modernism, in: M. Pütz/P. Freese (Hgg.), Postmodernism in American Literature (Anm. 14), S.151-166.

[26]Ebenda, S. 153.

[27]Ebenda, S. 156.

[28]Vgl. A. Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, Zürich 1977, Bd. II/2, S.534.

[29]Ebenda, Bd.I/1, S. 324. (Schopenhauers Hervorhebungen.)

[30]Vgl. ebenda, S. 321-335 (§ 52), Bd. II/2, S. 526-538.

[31]U. Eco, Il nome della rosa, In appendice postille a "Il nome della rosa", Milano 1993, S. 508. (Ecos Hervorhebung.)

[32]Vgl. W. Welsch, Unsere postmoderne Moderne (Anm. 11), S. XVI.

[33]G. Raulet, Verabschiedung der (Post-)Moderne?, Vorwort, in: J. Le Rider/G. Raulet, Verabschiedung der (Post-)Moderne?, Tübingen 1987, S. 13.

[34]"Das nichts Bedeuten wird zur einzigen Bedeutung." Th. W. Adorno, Versuch, das Endspiel zu verstehen, in: Noten zur Literatur II, in: Th. W. Adorno, Gesammelte Schriften 11, Frankfurt/Main 1974, S. 305.

[35]Vgl. U. Eco, Il nome della rosa, Appendice (Anm. 31), S. 528.

[36]W. Welsch (Hg.), Wege aus der Moderne, Berlin 1994, S. 11.

[37]Selbstverständlich gebricht es auch nicht an architekturtheoretischen Definitionen der Postmoderne; häufig zitiert wird diese: "Ebenso gängige, wie unscharfe Bezeichnung für die vielfältigen Bestrebungen der Architektur der sechziger, siebziger und achtziger Jahre, dem philosophischen, ethischen und formalen Diktat des Rationalismus durch spielerische, ironische Bauformen, architekturhistorische Zitate und und stilistische Kontaminationen zu entgehen. [...] Heute wird der Begriff des architektonischen Postmodernismus weitestgehend synonym mit dem gegenwärtigen Neomanierismus, Historismus und Eklektizismus verwendet." V. M. Lampugnani, Hatjes-Lexikon der modernen Architektur, Stuttgart 1983, S. 242.

[38]Vgl. Ch Jencks, Die Sprache der postmodernen Architektur, Stuttgart 1978, S. 9.

[39]Vgl. A. Gerlach, Der soziale Wohnungsbau der Postmoderne, Erlangen-Nürnberg 1995, S. 97 f. .

[40]V. M. Lampugnani, Hatjes-Lexikon (Anm. 37), S. 242.

[41]Vgl. ebenda, S. 98.

[42]Vgl. H. R. Jauß, Der literarische Prozeß des Modernismus von Rousseau bis Adorno, in: H. R. Jauß, Studien zum Epochenwandel der ästhetischen Moderne, Frankfurt/Main 1989 S. 70 ff..

[43]Ebenda, S. 72 f..

[44]Vgl. J.- F. Lyotard, La Condition postmodere (Anm 16), S. 46 f. .

[45]Vgl. M. Horkheimer/Th. W. Adorno, Dialektik der Aufklärung (Anm. 18), S.427-430.

[46]Ebenda, S. 67.

[47]Ebenda, S. 69.

[48]Vgl. Ebenda, S. 82 f. sowie F. Muller, Que chantent les sirènes? In: J.-M. Paul (Hg.), Max Horkheimer, Theodor W. Adorno et la Dialektik der Aufklärung, Bibliothèque Le texte et l'idée VII, Nancy 1996, S. 99-107.

[49]Vgl. M. Horkheimer/Th. W. Adorno, Dialektik der Aufklärung (Anm. 18), S. 88-93.

[50]Th. W. Adorno, Negative Dialektik, in: Gesammelte Schriften, Bd. 6, Frankfurt/M. 1973, S.34.

[51]Ebenda, S. 34 f..

[52]Bofill baut vorwiegend in Frankreich, dem wohl zentralistischsten System Westeuropas, und er baut, pikanterweise, von außen nach innen. Nach derselben Verfahrensweise gebaut ist der Universitätsphallus von Leipzig, auf Ulbrichts Geheiß.

[53]A. Gerlach, Der soziale Wohnungsbau der Postmoderne, (Anm. 39), S. 205.

[54]Ch. Baudelaire, Correspondance II, Paris 1973, S. 672f. (Baudelaires Hervorhebung).

[55]P. Sloterdijk, Eurotaoismus, Zur Kritik der politischen Kinetik, Frankfurt/M. 1989, S. 272.

[56]Wir leben sogar im Zeitalter der postmodernen Ernährung. (Für all jene, die nie wissen, was sie tun, die Moderne schon verschlafen haben und gewiß auch die Postmoderne verschlafen werden: Postmoderne Ernährung ist fast food.) Vgl. Annelies Furtmayr Schuh, Postmoderne Ernährung, Stuttgart 1993.

[57]P. Sloterdijk, Eurotaoismus (Anm. 55), S. 272.

[58]G. Hellerich, Wider die Moderne, Die Postmoderne und Abweichungen, Essen 1993, S.7.

[59]Ebenda, S. 9.

[60]Ebenda, S. 17.

[61]Vgl. ebenda, S. 31-40.

[62]Ebenda, S. 27.

[63]Vgl. ebenda, S. 38-40.

[64]Vgl. ebenda, S. 10. Daß die 68er Bewegung in Deutschland an ihrer Spießigkeit scheiterte und substantielle Auseinandersetzung mit dem status quo von Gesellschaftsmodellen des Okzidents letztlich eher zurückgeworfen als vorangebracht hat, reflektiert Hellerich nicht. Er feiert Ökologie-Bewegung und Feminismus als Errungenschaften von 1968 (Ebenda). – Beides ist längst vom Kapital integriert und vermarktet. Adorno hatte gute Gründe, sich von den Sonntagnachmittagsrevoluzzern von 1968/69 fernzuhalten, weil er wußte, daß diese Revolte, zumindest in Deutschland, nur am Überbau der Kulturindustrie kratzte, deren Basis jedoch unangetastet ließ.

[65]Habermas wählt folgenden Titel für eine Vorlesung: Eintritt in die Postmoderne: Nietzsche als Drehscheibe. Er würdigt dort Nietzsche als denjenigen, der das moderne Zeitbewußtsein zur Geltung gebracht, indem er den Verlust des Mythos konstatiert habe. Habermas würdigt ferner die von Nietzsche initiierte Kategorie des Dionysischen, verkennt aber völlig das dialektische Wechselverhältnis zwischen Dionysischem und Apollinischem bei Nietzsche. Vgl. J. Habermas, Der philosophische Diskurs der Moderne, Frankfurt/M 1985, S. 104.

[66]J.-F. Lyotard, La condition postmoderne (Anm. 16), S. 76.

[67]M. Onfray, Cynismes, Portrait du philosophe en chien, Paris 1990, S. IV.

[68]G. Raulet, Verabschiedung der (Post-)Moderne?, Vorwort (Anm. 33), S. 15.

[69]U. Eco, Il nome della rosa (Anm. 31), S. 528.

 

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