Kunst und Kritik im zeitgenössischen Kontext

           
 
zum Thema im Internet


Ein Dossier bei spiegel online zum Thema
"Der ewige Flakhelfer" (gegen Gebühr von 2 Euro erhältlich)

Roman Bucheli in der Neuen Zürcher Zeitung: "Demontage eines Lebenswerks"

Walser-Biograph Jörg Magenau mit einer souveränen Wertung des Lorenz-Buches in der tageszeitung

zu Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher:
auf der Seite der Universität Essen

sowie Schleiermachers wichtigste Ideen zur Hermeneutik



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15. September 2005

Stichwort

Martin Walser

Vermutet haben wir es ja schon lange, doch nun gibt es mit einer - allerdings ad nauseam geführten - Untersuchung den wissenschaftlichen Beweis, daß der Schriftsteller Martin Walser so seine Probleme mit unseren Mitbürgern jüdischen Glaubens und mit unserer Geschichte im allgemeinen hat: der Stuttgarter Verlag J. B. Metzler veröffentlichte die Arbeit "Auschwitz drängt uns auf einen Fleck" - Judendarstellung und Auschwitzdiskurs bei Martin Walser von Matthias N. Lorenz.

Wie schön, daß sich die Jugend, Lorenz ist zarte 32 Jahre jung (und noch nicht geboren, als Walser bereits auf knapp 20 Jahre erfolgreiches, mit mehreren Preisen ausgezeichnetes literarisches Schaffen zurückblicken kann), dieser Thematik öffnet und einmal ganz unbeeindruckt von Hermeneutik (im Sinne Schleiermachers) oder Besonderheiten einer geschichtlichen Situation jene Stellen des Walserschen Gesamtwerks hervorsucht, die unsere gerechte Empörung verdienen.

Immer wieder tauchen bei Walser jüdische Bürger auf, denen stereotype, aus der Luft gegriffene Vorurteile wie Geldfixiertheit und Reichtum, eine besondere Nasenform oder Kosmopolitismus angedichtet werden. Und immer wieder wird in Walsers Arbeiten auf das Leiden der Deutschen verwiesen, die doch eigentlich selbst schuld sind und sich - nach gerade einmal 60 Jahren - aus der Verantwortung stehlen wollen.

Dem Faß die Krone ins Gesicht schlug Walser mit dem unsäglichen "Tod eines Kritikers" (2002), in dem die Ermordung des beliebten Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki suggeriert wird.

Dem Buch Lorenz', das mit einem wahrhaft volkstümlichen Preis von 49,95 € auf dem Ladentisch liegt, wünschen wir eine weite Verbreitung und viele aufgewühlte, betroffene und zufriedene Leser.

Thomas Brandstätter

 

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