Kunst und Kritik im zeitgenössischen Kontext

           
 
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13. August 2005

Entdeckt - Wiederentdeckt

Die Frauenkirche in Dresden


 

Über Architektur - wie über die Kunst im allgemeinen - läßt sich trefflich streiten: nicht zuletzt ist es ihre Symbolkraft, an der sich die Geister scheiden.

Besonders, wenn es sich um mehr oder minder komplette Rekonstruktionen oder einen die ursprüngliche Idee modifizierenden architektonischen Akzent handelt, ist es weniger das Bauwerk selbst, als seine Wirkung auf das Stadtbild und das Verständnis der Betrachtenden. Ja, man möchte die beabsichtigte Ausstrahlung des Wieder- und des Umgebauten geradezu als ursächlichen Beweggrund und Hintersinn seines Entstehens annehmen.

Lange stand im Berliner Zentrum das Reichstagsgebäude ohne Kuppel wie skalpiert da, bis nunmehr ein käseglockenhafter Überbau das Ensemble schmückt und sicherlich so etwas wie Transparenz und Bürgernähe "rüberbringen" möchte.

Das Berliner Stadtschloß, dessen Fassade ein Gebäude zieren soll, das einmal an die Stelle des geschundenen "Palastes der Republik" treten wird, repräsentierte eine in sich ruhende, nach festen Wertsetzungen handelnden Gesellschaft, deren Epoche gerne mit einer "Guten alten Zeit" verwechselt wird - ein Lebensgefühl, dessen Surrogat sich vermutlich die Befürworter des Wiederentstehens gerne schenken möchten.

Und nun ist mit der Frauenkirche in der Sächsischen Hauptstadt ein nicht minder wuchtiges Bauwerk wiederentstanden, das in erster Linie als ein Symbol denn in seiner aktuellen Funktion als Konzertsaal - geschweige als Gotteshaus - eine in die Welt strahlende Bedeutung hat.

Am 13. Februar 1945, gut 11 Wochen vor der endgültigen Niederlage Deutschlands flogen Amerikaner und Briten einen Bombenangriff auf Dresden, der die Ermordung möglichst vieler Zivilisten und die Zerstörung einer Kulturstätte europäischen Ranges zum Ziel hatte - ein Vorhaben, das als durchweg gelungen bezeichnet werden kann.

Als Sinnbild für dieses Verbrechen fungierte zu Zeiten der SED-Herrschaft die Ruine der Frauenkirche - die Frage eines Wiederaufbaus stellte sich sowohl aufgrund des ambivalenten Verhältnisses der DDR-Oberen zur Kirche als auch vor dem Hintergrund der hierfür zu gewärtigenden Kosten nicht.

Heute, nachdem Bürgerwille, Mäzene und allgemeine Spendenbereitschaft den Wiederaufbau ermöglicht haben, steht die Frauenkirche für eine starke, lebendige Tradition einer alten Kulturstadt und ist nicht zuletzt ein Zeichen an die Nation, die noch 1996 dem Mann ein Denkmal errichtete, unter dessen Kommando sie vor 60 Jahren zerstört wurde.

 

 

 




 

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