Kunst und Kritik im zeitgenössischen Kontext

           
 
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Das Buch "Ich war heut glücklich im Zeichnen". Goethes Thüringer Ansichten ist im Hain Verlag, Weimar (ehemals Rudolstadt), ISBN 3-930215-42-X, erschienen

 

 

 

Jochen Klauß

"Ich war heut glücklich im Zeichnen"
Goethes Thüringer Ansichten



zum Großbild

Um seinem Gedanken die adäquate Form zu geben, steht eben nur dem Genie eine beachtliche Palette von Ausdrucksmitteln zur Verfügung.
Zwar werden diese bisweilen lediglich als das Tasten eines Künstlers über die Grenzen seines eigentlichen Metiers hinaus betrachtet, doch können nicht selten die Werke der "marginalen" durchaus der "rufbegründenden" Kunstgattung ebenbürtig sein.

Daß die gelegentlichen Ausflüge in einen anderen Bereich kreativer Aktivität von der Rezeption weniger beachtet werden, ist freilich auf das Gewicht zurückzuführen, das der Betreffende selbst auf die unterschiedlichen Ausdrucksformen gelegt hat.

So beispielsweise die Versuche Nietzsches, aus der Musik die Mittel zu gewinnen, die seinem Denken jenseits der Sprache Ausdruck zu verleihen vermochten: Dem Philosophen halfen seine Kompositionen, auf anderem Wege nicht mitteilbare Stimmungen zu formulieren - "Chiffren des Unsagbaren" (Fritz Schleicher, mehr hier) zu sein.

Ist die immaterielle Natur der Musik vielleicht gerade dem Philosophen bevorzugtes Mittel, dem Gedanken jenseits des Wortes Form zu geben (Th. W. Adorno ist ein weiteres Beispiel), sucht der Dichter nicht selten, sein Schaffen mit der bildenden Kunst zu erweitern.

Natürlich vermag die Beschreibung einer Landschaft im Rezipienten das Bild nachhaltig zu evozieren. Ein Aquarell dieser Landschaft, zumal es sich auf das Wesentliche des gewünschten Eindrucks konzentrieren kann, erreicht dieses Ziel unmittelbar, zumal es das für diesen Eindruck zuständige Sinnesorgan direkt anspricht.

Mag die gezeichnete, gemalte Landschaft dem Künstler die Form sein, die das Darzustellende fordert, um die Stimmung, den Eindruck in gewünschter Weise dem Publikum weiterzugeben, ist es darüber hinaus jedoch nicht selten die bildliche Darstellung der Welt, aus der heraus das dichterische Schaffen Ursprung und Inspiration findet.

"Goethes Thüringer Ansichten" vermitteln diesen Eindruck. Familiäre Wurzeln, bis in das 16. Jahrhundert nachweisbar, verbinden den Olympier, ohne daß er davon Kenntnis hatte, mit seiner Thüringen Wahlheimat. Ohnehin sich zum Zeichner berufen, fühlte sich der junge Goethe von den Schönheiten der Thüringer Landschaft zum bildlichen Festhalten getrieben.

Das Auge sei ihm vor allen anderen das Organ gewesen, bekennt 1811 in seiner Autobiographie, womit er die Welt faßte. So nimmt es nicht wunder, daß Goethe für seine Sturm-und-Drang-Jahre in seinem Schaffen Zeichnen und Dichten "unaufhaltsam miteinander" vonstatten gehen sieht.

Jochen Klauß hat sich in verschiedenen Publikationen mit den Zeichnungen des Dichters auseinandergesetzt. Kenntnisreich geht der Autor auch in dieser Veröffentlichung dem Werdegang des Zeichners Goethe nach, setzt das zeichnerische Werk in Beziehung zu Biographie und Dichtkunst und gestattet mithin dem Leser, sein Wissen um den weithin bekannten Lebensweg des Dichters um einige Façetten zu erweitern.


Lutz Baseler

 

(Das Buch "Ich war heut glücklich im Zeichnen". Goethes Thüringer Ansichten ist im Hain Verlag, Weimar (ehemals Rudolstadt), ISBN 3-930215-42-X, erschienen.)


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Aktualisiert am 13. August 2005

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