Kunst und Kritik im zeitgenössischen Kontext

           
   

Archiv - Entdeckungen

Monumentalplastik

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Geriert sich eher bescheiden: der Künstlerdaumen am Deutschen Eck

Nach der Säkularisierung der Kunst und dem damit verknüpften Erscheinen des Künstlers zunächst neben, doch schon bald vor seinem Werk, ist als gegenläufige Tendenz das Abhandenkommen von Darstellbarem zu beobachten.

Als die Kunst noch ausschließlich Erfüllungshilfe des religionskonformen Daseins war, lagen die Themen genauso fest wie die Tatsache, daß der Schöpfer des Werks der Sache diente - mithin als Person irrelevant war und auch nicht in Erscheinung trat, weder mit Signatur noch mit persönlichen Äußerungen.

Heute, da das Kunstwerk kaum mehr als ein Exempel für die dem Schaffen des Künstlers zugrundeliegende Theorie in Erscheinung tritt, ist man geneigt, die Autoexegese des Schaffenden als das eigentliche Werk zu betrachten.
So erscheinen die Objekte als - inzwischen bereits unter einzelnen Künstlern mit ähnlichen Vorstellungen austauschbare - Fußnoten zu komplexen, sich überschneidenden Theoriegebäuden, die kaum noch in erster Linie auf ästhetische, denn vielmehr auf gesellschaftliche oder allgemein-kulturelle Phänomene ausgerichtet sind.

César, der hier in Rede stehende Künstler, hat in seinem Schaffen eine stürmische Entwicklung vom Schöpfer würfelförmiger "Compressions", die unter Zuhilfenahme von Schrottpressen entstanden, zu "Expansions" unternommen, bis er, ganz Nouveau Réaliste, sich seinem Körper zuwandte und einen seiner beiden Daumen einer größeren Weltöffentlichkeit präsentierte.

So ragen diese nun, ausgehend von einem Original aus orangerotem Polyester von 41 cm Höhe, u. a. in Seoul mit sechs und im Pariser Stadtteil La Défense mit stolzen zwölf Metern in den Himmel.
Dagegen nimmt sich die Koblenzer Variante, die auch schon 1968 die Kasseler Dokumenta zierte, mit schlappen 2,40 Metern als weniger großes Kunstwerk aus.

 


 

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