Kunst und Kritik im zeitgenössischen Kontext

           
 
frühere Editorials

2001
 
 

 

 



Archiv - Editorials

Kultur und Sprache

Das PANDAIMONION erscheint seit kurzem in neuer Gestaltung. Diese betrifft im Äußerlichen eine vereinfachte Navigation und ein klareres Schriftbild der einzelnen Seiten. Darüber hinaus wurde das Angebot um einige Rubriken erweitert: Unter der Überschrift Gelesen sollen weniger Rezensionen aktueller Veröffentlichungen vorgestellt werden, die auch eher in der Rubrik Kritik erschienen, als vielmehr Erinnerungen an ein Literaturerlebnis.
Der PANDAIMONION-Kunstmarkt stellt Bücher und Werke der Bildenden Kunst aus dem PANDAIMONION-Kreis und dessen Umfeld vor, die zum Teil exklusiv auf diesen Seiten zum Kauf angeboten werden.
Eine weitere Rubrik verweist auf interessante Angebote im Internet, deren Themen mit Inhalten und Gegenständen des PANDAIMONION verwandt sind. Diese Auswahl ist naturgemäß genauso zufällig wie willkürlich und wird gelegentlich aktueller Beiträge des PANDAIMONION ergänzt und thematisch erweitert.

Da wir verschiedentlich darauf angesprochen wurden: Der im Editorial 1/2000 geäußerte Vorsatz, keine Kulturkritik üben zu wollen, ist durchaus als die Übertreibung zu verstehen, die damit gemeint war - polemisch und überzogen -, was sich bereits aus dem Kontext ergründen ließ. Kulturkritik freilich ist jede Darlegung, die sich mit öffentlichen Entäußerungen befaßt. Allerdings findet sie im PANDAIMONION nicht explizit statt; denn es lohnt der Mühe nicht. Allein die Tatsache, daß beispielsweise Debatten über die Frage geführt werden, geführt werden müssen, ob es einen Lesekanon, ein für eine gewisse Bildungsstufe als verbindlich vorauszusetzende Kenntnis wesentlicher Werke der National- und der Weltliteratur geben sollte, wirft ein bezeichnendes Bild auf den Zustand unserer Kultur.

In diesen Zusammenhang gehört in zweierlei Hinsicht ein derzeit in der Diskussion befindliches Sprachschutzgesetz. Bereits im neunzehnten Jahrhundert war die Anreicherung der deutschen Sprache mit Fremdwörtern Sprachbewußten ein Ärgernis. Ein Grund für die, zuweilen auch noch falsche, Verwendung exotischer Einsprengsel in die Sprache lag wohl damals wie heute nicht selten im Versuch, die Armut an Inhalt mit dem Ausdruck des Besonderen zu bemänteln.
Die zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ließ nach dem verlorenen Krieg und dem schuldiggebliebenen Beweis eines allgemeingültigen Herrenmenschentums des ganzen Volkes wenig Raum für eine souveräne deutsche Kulturentwicklung. Hinzu kam die Verstärkung des Unterlegenheitsgefühl gegenüber anderen Nationen durch die staatliche Teilung, ein Versinken in kultureller Zweitrangigkeit und einen von Generation zu Generation vererbten Schuldkomplex, was durch die Annäherung an die Kultur vor allem der Siegermächte Großbritannien und Amerika kompensiert werden sollte. Für ein Favorisieren der Amerikanischen "Kultur" und deren massenhafter Verbreitung gerade in den zurückliegenden zwei Dekaden sprach nicht zuletzt deren geringer Anspruch an intellektuelle Qualitäten.
Daß es ein Gesetz sein muß, das einmal mehr alles regeln soll, wirft ein weiteres Schlaglicht auf unsere Kultur: Ein Herumpfuschen an den Erscheinungen soll die Hilflosigkeit gegenüber den Ursachen verdecken.

Aber vielleicht wäre schon das Erreichen eines selbstbewußten Umgangs mit der eigenen Nation, mit all ihren Stärken und Schwächen, ihrer Geschichte, ihren kulturellen Errungenschaften die Lösung für mancherlei Probleme.


Lutz Baseler

 

 




 

© PANDAIMONION 2000 - 2005
Alle Rechte vorbehalten.